Montag, 6. Juli 2009

Jugend - Sucht - Computer


Der Computer feiert seinen Siegeszug durch die deutschen Haushalte und mit ihm dringen neue Welten in das Leben von Kindern und Jugendlichen ein - PC- und Onlinespiele, Kontakt- und Tauschbörsen, Foto- und Videoplattformen, blogs, homepages, email, Chatroom und Voice over IP. Unverkennbar ist die Sog- Wirkung, die von diesen neuen Informations-, Spiel- und Kommunikationsmöglichkeiten ausgeht. Computer und Internet bieten Raum zum Lernen, für Abenteuer (Surfen, Spiele), Kreativität und Präsentation (Online- Profile, MySpace, Youtube und co.) aber auch für Gemeinschaft und Austausch (Online- Spiele, Kommunikations- Netzwerke).

Eher selten thematisiert und doch gerade für Kids faszinierend, sind auch die Möglichkeiten, nazistische Bedürfnisse und Allmacht- Phantasien ausleben zu können. Im Online- Spiel schlüpft man in eine neue (bessere) Identität, das Schüler-VZ Profil erstrahlt im makellosen Glanz, hochgeladenen Fotos lassen sich per Mausklick austauschen, die Anzahl der Freunde in der Kontaktliste zeigt, wie beliebt man ist und durch das Beherrschen der charakteristischen Abkürzungen und kessen Sprüche im Chat stellt man Schlagfertigkeit und Zeitgeist unter Beweis. Und nicht zuletzt sind Internet- Pornos halt anschaulicher als Sexualkunde- Unterricht oder die verklemmt-peinlichen Ausführungen von Eltern und Geschwistern.

Die neuen Medien erleichtern das Leben und schaffen gleichzeitig neue Abhängigkeiten. Emails wollen gecheckt-, sms beantwortet-, online Profile aktualisiert-, die neusten songs heruntergeladen- und youtube- videos geguckt- und die verschiedenen Stellungen des Geschlechts- Aktes genauestens studiert werden. Dieses intensive „Nutzungs- Begehren“ der neuen Medien kann in einigen Fällen soweit gehen, dass es einen Sucht- Charakter annimmt, der durchaus mit einer klassischen Drogensucht vergleichbar ist. Sorgen sollte man sich um den Betroffenen machen, wenn die Flucht in die virtuelle Welt von Computer und Internet so weit geht, das folgende Probleme entstehen:

-Freunde kommen nicht mehr und werden auch nicht vermisst

-Text und Sprache kann nur noch schwer wahrgenommen/ verarbeitet werden

-Aussehen und Kleidung wird vernachlässigt

-körperliche Bedürfnisse werden vernachlässigt (Essen/ Trinken/ Schlafen/ Körperkontakte)

Mittlerweile haben sich zwar eine Reihe von Therapeuten auf die spezielle Problematik der „Medien- Sucht“ eingestellt und entsprechende Therapien entwickelt. Besser ist aber natürlich ein präventiver Ansatz, der einsetzt, bevor es zu den oben genannten Ausfall- Erscheinung kommt.

Eltern und Professionelle sollten hierfür zunächst die Rolle anerkennen, die Internet und Medien im Leben der Kinder- und Jugendlichen spielen, was nicht bedeutet, dass sie aus ihrer Verantwortung entlassen werden können, durch Regeln und Grenzsetzung, sowie das eigene Vorbild, den Kids einen sinnvollen Umgang mit diesen zu vermitteln.

Sie sollten sich auch klar machen, dass für die Entwicklung einer Sucht immer entscheidend ist, dass diese Kids in der virtuellen Welt etwas suchen, was sie in der realen Welt nicht (mehr) finden können.

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